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Mädchenbeschneidung NEIN

Die Mädchenbeschneidung ist auch heute noch eine grausame Realität. Weltweit werden jährlich über zwei Millionen Mädchen unter grossen Schmerzen beschnitten. Auch im Kanton Solothurn sind Frauen Opfer von Beschneidungen geworden. Am 3. September findet deshalb mit Unterstützung des Gesundheitsamtes und der Fachstelle Integration in der Regiomech Zuchwil eine Informationsveranstaltung für Betroffene und weitere Interessierte statt.

Obwohl das Beschneiden der weiblichen Geschlechtsteile in der Schweiz als Körperverletzung angesehen wird, gehören Mädchenbeschneidungen bei Teilen der afrikanischen Bevölkerung in der Schweiz, aber auch bei einigen Familien aus Sri Lanka, dem Jemen, Oman oder den Kurden Nordiraks, die in der Schweiz leben, nach wie vor zur Tradition. Die Hilfsorganisation Unicef schätzt deren Anzahl auf rund 7000. Im Kanton Solothurn sind, davon geht man aus, rund hundert Frauen Opfer von Genitalverstümmelungen geworden. Ist die Beschneidung in der Schweiz nicht möglich, ermöglicht eine Ferienreise in die alte Heimat oder ein Nachbarland die Beschneidung des Mädchens. Wenn es in die Schweiz zurückkehrt, ist die Beschneidung vollzogen.

Das Gesundheitsamt und die Fachstelle Integration des Amts für Soziale Sicherheit unterstützt die Bestrebungen der Somalierin Deeqo Ahmed aus Solothurn und der Kulturvermittlerin Gabriella V. Affolter aus Leuzigen, betroffene Familien im Kanton Solothurn gegen Mädchenbeschneidungen und deren Folgen zu sensibilisieren. Am 3. September findet um 18 Uhr in der Regiomech Zuchwil, Langfeldstrasse 28, ein Informationsabend zum Thema «Mädchenbeschneidung NEIN» statt.

Programm:
– Begrüssung: Manuela Meneghini, Gesundheitsamt, Kanton Solothurn
– Referat: Monika Hürlimann, Caritas Schweiz
– Apéro und Diskussionsrunde mit Deeqo Ahmed aus Solothurn, Frauenrechtlerin aus Somalia im Kampf gegen die Mädchenbeschneidung

Eingeladen sind in erster Linie vom Thema betroffene Familien, aber auch weitere Interessierte.

Mädchenbeschneidung ist Menschenrechtsverletzung
Deeqo Ahmed ist als junges Mädchen selber beschnitten worden. In Somalia werden nach wie vor rund 98 Prozent der Mädchen und Frauen beschnitten. Erst bei der Geburt ihres ersten Kindes in der Schweiz hat sie realisiert, dass die Beschneidung nicht in allen Kulturen praktiziert wird und nicht als «normal» akzeptiert werden muss.

Bei der Beschneidung junger Mädchen wird meistens die Klitoris entfernt, zum Teil mitsamt den Schamlippen. Damit soll sexuelles Verlangen zerstört oder gemindert werden. Häufig vermischt sich dieses Motiv allerdings mit vielen anderen Begründungen, die in Mythen, uralten Kulten und Bedürfnissen nach klarer Abgrenzung von Alter und Geschlecht wurzeln. Nicht beschnittene Mädchen werden nicht zu den Erwachsenen gerechnet. Die international mittlerweile als Menschenrechtsverletzung geächtete Tradition wird noch rege praktiziert. Der Eingriff, der ohne Betäubung unter primitiven Bedingungen vorgenommen wird, ist extrem schmerzhaft und mit Gefühlen der Scham und Ohnmacht verbunden. Als lebenslange Konsequenzen bleiben den Mädchen Infektionen, Blutungen, Narben, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Komplikationen bei der Geburt. Die Beschneidung wird meist von älteren Frauen durchgeführt. Es wird immer dasselbe Messer benutzt, was die Gefahr einer HIV- und Aids-Übertragung erhöht.

Die Beschneidung weiblicher Geschlechtsteile wird hauptsächlich in afrikanischen Ländern durchgeführt. In der Schweiz gelten bestimmte Arten der Beschneidung schon heute als schwere Körperverletzung. Durch die Einführung eines spezifischen Straftatbestandes sollen künftig alle Verstümmelungen mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren geahndet werden. Umstritten ist, dass Volljährige einem Eingriff einwilligen können, sodass dieser straffrei bliebe (Stand Vorentwurf Umsetzung parlamentarische Initiative). Das Geschäft werde vom Nationalrat aber erst in der Sommersession 2011 behandelt werden.

Link zum Flyer: www.integration.so.ch/anlaesse.html
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